Feinde fürs Leben

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Eines muss man den Trump-Wählern lassen: Sie hängen ihr Fähnchen nicht so schnell in jeden Wind. Sie lassen es wehen im mittlerweile wohlbekannten, überwältigenden Flatulenzgestank aus Washington: Jeden Tag verbreitet ihr Präsident eine neue Irrsinnsidee, schleudert den nächsten aberwitzigen Tweet in die Welt hinaus, und sie heben trotzig das Kinn, machen sich gerade und beharren: Aber die Wirtschaft knallt! Aber endlich sagt einer, was Sache ist! Aber einer muss doch durchgreifen bei den Illegalen! Aber auch wenn dir nicht passt, wie er über Frauen und Schwarze redet: Er ist unser Präsident!

In der “New York Times” stand am Wochenende, dass der nationale und internationale Backlash gegen Trump bei seinen Wählern nur noch innigere Treue provoziert. Während alle Welt drauf wartet, dass sie endlich zur Besinnung kommen und sich von ihrem Helden distanzieren, versteifen sie wie kleine Kinder, die immer nur “Lass das!” hören. Und deshalb extra – oder wie der Schwabe sagt: mit Fleiß! – ihre Loyalität demonstrieren. Wütend auf Trumps Kritiker, verteidigen sie den umstrittenen “Leader of the Free World” umso leidenschaftlicher: Ein “Bonding” findet statt, eine Zuneigung erwächst, die dem Stockholm-Syndrom nicht unähnlich ist. Die Geisel, das Opfer, sympathisiert mit dem Kidnapper, kooperiert mit dem Täter.

“Er ist nicht perfekt, aber ich mag, was er macht”, sagt meine Freundin, die Trump-Wählerin. Ich staune nämlich nicht einfach über einen Zeitungsartikel, in dem das Phänomen beschrieben wird: Nein, ich erlebe das Trump-Syndrom jeden Tag am eigenen Leib. Jeden Morgen stiefele ich mit meinem Hund in einem wunderbaren Canyon in den Santa-Monica-Bergen, in dem Kaninchen, Kojoten und Klapperschlangen unterwegs sind – und eben auch bornierte Republikaner. Und keinesfalls möchte ich dieser Frau aus dem Weg gehen: Wir sind nämlich eigentlich ganz gut befreundet.

Er ist nicht perfekt. Aber ich mag, was er macht

Seit Jahren spazieren wir in diesen Hügeln, quatschen über unsere Hunde, übers Fernsehen, über neue Krimis. Sie lädt mich zum Segeln auf ihrem Boot im Pazifik ein, ich gieße ihre Blumen, wenn sie auf Geschäftsreise ist. Wenn wir am frühen Morgen unsere Runde machen, habe ich oft noch die Pointen von Stephen Colberts messerscharfer Late-Night-Show im Kopf und gerade die übelsten Schlagzeilen auf dem Handy gelesen. Vom Drama an der Grenze, von Auffanglagern für “Illegale”, von Käfigen für Kinder. Und dann Melania im “Mir-scheißegal”-Jäckchen: jeden Tag ein neuer Aufreger, ein neuer Skandal. Aber die Trump-Wählerin und ich, wir plaudern über Musik, Rosenzucht und Rezepte. Mit voller Absicht eben nicht – bloß nicht!!! – über das, worüber das ganze Land sich echauffiert. Politik bleibt außen vor, haben wir vor anderthalb Jahren stillschweigend beschlossen, sonst gehen wir uns an die Gurgel.

Gibt doch genug andere Themen! Wenn sie über unseren Gouverneur schimpft – natürlich ein Demokrat; sie verabscheut liberales Denken –, lenke ich ab; zu oft schon haben wir uns angeschrien, es bringt nichts. Wenn wir am Morgen nach den Oscars ganz harmlos über Gewinner und Klamotten lästern, entschlüpft ihr schon mal eine abfällige Bemerkung über Meryl Streep und andere Trump-Kritiker; meistens lenke ich ein, ich werde ihre Meinung über “Hollywood-Eliten” und “Fake-Media” sowieso nicht ändern. Manchmal sage ich: Was schimpfst du über die Presse, willst du mich beleidigen? Aber nein, ruft sie erschrocken, du doch nicht! Ich meine CNN und die kommunistische “New York Times”!

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Ehrlich gesagt, ich will mir meinen Morgenspaziergang nicht verderben. Manchmal gehen wir nebeneinander her wie in zwei verschiedenen Filmen. Sie sieht nur den brillanten Geschäftsmann in Trump, ich den pathologischen Lügner. Sie findet ihn beinahe “charming”, ich könnte speien, wenn ich nur an ihn denke. Wir beide wissen, dass wir den andern nicht ändern können – und dass wir um diesen hässlichen Fleck, der unser Verhältnis besudelt, irgendwie drumrum lavieren müssen. Ich hab gestern Tennis geschaut, sagt sie fröhlich, als in mir die Bilder von den Kindern an der texanischen Grenze brodeln. Ach, toll, sage ich und überlege ganz kurz, was in ihr wohl vorgeht, ob sie sich schämt für ihren Präsidenten. Mit Federer?, frage ich statt dessen.

Mit Zverev, antwortet sie und lacht, mit deinem Landsmann, dem Deutschen! Sie liebt Tennis. Und ich ringe mir sogar noch die Frage ab: Mischa oder Sascha? Dabei ist mir das so scheißegal wie der First Lady offenbar ihre Garderobe im Grenzlager. “I Don’t Care, Do U?”, stand auf der Jacke. Man müsste antworten: Ja, Melania, I do care. Und man müsste konsequent sein – und Trump-Wählern die Freundschaft kündigen.

Ich kann mir den Unfug nicht mehr anhören, dass “die Demokraten” schuld an allem Elend in den USA sind, und ich will nicht mehr glauben, dass Menschen, die Trumps “Politik” unterstützen und verteidigen, im Grunde dennoch gutartig und schlau sind, nur eben anderer Meinung als ich. Wie ist das Wetter in Kalifornien?, lautet die häufigste Frage, die mir aus Deutschland gestellt wird. Und wie hältst du das bloß aus mit Trump?, die zweithäufigste. Meine Antworten: Gut. Und immer schlechter.

Bis vor kurzem habe ich gesagt: Ich will nicht, dass dieser Blödmann sich in meine Beziehungen mischt. Diese Macht will ich ihm nicht geben. Ich dachte an das berühmte Pärchen Mary Matalin und James Carville: Sie war Beraterin beider Bush-Präsidenten, er Bill Clintons Wahlkampfmanager. Seit 1993 sind die beiden, die ihre jeweiligen Parteien in Reden, Büchern und Fernsehsendungen prominent vertreten, verheiratet. Und offenbar glücklich: Zu Hause, sagen sie, würde nie über Politik geredet, sonst hätte die Ehe diese konträren Weltsichten niemals überstanden.

Den Schlenker zu Trump hat die konservative Matalin nicht mitgemacht, sie bekennt sich heute zur Libertarian Party. Dennoch äußert sie sich zufrieden mit dem Wahlergebnis und nennt ihn “great”; noch in diesem März hat sie gescherzt, sie habe sich “erst Sorgen gemacht, aber jetzt kann ich beruhigt sterben”.


Berühmte rot-blaue Pärchen: Mary Matalin und James Carville sind seit einem Vierteljahrhundert verheiratet – obwohl (oder weil?) politisch nie einer Meinung. Der Republikaner Arnold Schwarzenegger, 2003 zum Gouverneur von Kalifornien gewählt, mit seiner Frau Maria Shriver aus dem Kennedy-Clan; die beiden sind seit 2017 geschieden – nicht wegen unterschiedlicher Auffassungen von Politik, sondern von ehelicher Treue. Roseanne Barr und John Goodman waren nur vor der Kamera Amerikas liebstes Trash-Gespann: sie auch im wahren Leben berühmte Trump-Anhängerin, er hingegen Stammgast in der Trump-kritischen Sketch-Show "Saturday Night Live". Im Mai wurde die Serie "Roseanne" gecancelt wegen rassistischer Tweets der Hauptdarstellerin


Beide, Matalin und Carville, sind smart und erfolgreich, nur eben – andersfarbig. Sie rot, er blau. Auch die Trump-Wählerin ist alles andere als ein Dummkopf. Sie ist ehrgeizig, belesen, reist – anders als die meisten ihrer Landsleute – gern in der Welt herum, hat gescheite Kinder groß gezogen. Schon in ihrer Jugend, sagt sie, neigte sie zur republikanischen Partei; sie ist konservativ, ein bisschen spießig, hat zum Beispiel Probleme mit der Schwulenehe, mag aber das lesbische Pärchen total gern, das oft mit uns spazierengeht, weil sie mit den sportlichen Girls über Tennis fachsimpeln kann. Deren Babys findet sie so süß, dass sie kommentarlos über ihre Zeugung in der Petrischale hinwegsieht.

Nun leben wir in der kalifornischen “bubble”, in unserer grünen, toleranten, überwiegend liberalen, überwiegend finanzstarken Traumwelt, in der wir Müll trennen, Sonnenpanele aufs Dach schrauben, “coexist”-Sticker an den Prius kleben und uns fremdschämen für die Regierung in Washington. Die paar Republikaner, mit denen wir unsere veganen Ramensuppen-Restaurants und Wanderwege in den Santa-Monica-Bergen teilen, ärgern uns, aber sie spielen ja nicht wirklich eine Rolle. Auf einer Nachbarschafts-App, in der sich Familien über Mottenplagen und günstige Änderungsschneider austauschen, keifen ab und an frustrierte GOP-Anhänger, dass sie im solid demokratischen Golden State zu hohe Steuern zahlen. Sie fallen selten auf. Und meine Freundin, die Trump-Wählerin, weiß genau, dass sie auf unseren Spaziergängen im Canyon zuverlässig allein dasteht mit ihren Ansichten zur Immigrationspolitik (“Die Demokraten würden am liebsten alle reinlassen, auch die Verbrecher!”), zur #MeToo-Bewegung (“Mein Mann traut sich kaum mehr, seine Sekretärin anzusprechen, diese Frauen gehen zu weit!”), zu den Russland-Ermittlungen (“Alles Unfug, die Demokraten sollen sich endlich damit abfinden, dass Hillary verloren hat!”).

Ihre Gehirnwäsche ist so gründlich wie erstaunlich; hat sie früher, unter Obama, still geschnauft und mit den Augen gerollt, wenn ihr Ansagen aus dem Weißen Haus nicht passten, so attackiert sie jetzt zunehmend Leute, die gegen Trump sind. Die erwähnten schlimmen Medien, die Stadtverwaltung von Los Angeles, Bekannte, Freunde. Wie Trump hält sie das FBI nun für eine umstürzlerische Guerrilla, macht krude Bemerkungen über die Clintons und Obamas, wird im Ton, wie ihr Häuptling, rücksichtsloser, ungehobelt. Ein gemeinsamer Freund, bekennender Hillary-Wähler, schüttelte sie einmal an den Schultern und brüllte sie an, sie solle zur Vernunft kommen. Hinterher war er selbst ganz benommen, so ein Ausbruch sei ihm noch nie passiert: Jahrzehntelang lebten Demokraten und Republikaner friedlich nebeneinander her; manchmal kriegte man erst am Wahlabend spitz, dass der Nachbar für den Gegenkandidaten gestimmt hatte, na sowas. Aber im Alltag spielte die politische Stammeszugehörigkeit doch keine Rolle.

Ideologie, sagt jener Freund heute geknickt, sei nie mehr gewesen als eine Vorliebe; im Grunde wollten wir doch alle nur das Beste für unser Land. Du in Blau, ich in Rot: verschiedene Ansichten, aber vereint am Fourth-of-July-Würstchengrill. Zuallererst sind wir Freunde, erst in zweiter oder dritter Instanz Wahlvolk. America First, krakeelt der Präsident. Ist Freundschaft nicht wichtiger?

America First, krakeelt der Präsident. Aber ist Freundschaft nicht wichtiger?

Ich habe durchaus versucht, die Trump-Wählerin zu verstehen. Ich weiß, dass sie die “Nanny-Attitüde” der Demokraten hasst: Der Staat will seinen Bürgern angeblich alles vorschreiben und alles für sie regeln. Wenn es nach unserem Governor Jerry Brown ginge, hat sie mal geschimpft, müssten wir auf jede Cola-Dose eine Zuckersteuer zahlen – weil Zucker schlecht für uns ist. Die Regierung will sich in unseren Speiseplan mischen?! Unerhört. Und man darf nicht mehr sagen, was einem auf der Zunge liegt, weil man sonst als Rassist oder Sexist oder Heuchler gilt? Und womöglich seinen Job verliert, weil man gegen die vermaledeite "political correctness" verstoßen hat?!

Man denke an die Footballer, die der Flagge keinen Respekt erweisen und nicht stehen, wenn die Hymne gesungen wird. Flegel, schäumt meine Freundin, die Trump-Wählerin. Patriotismus ist für beide Parteien in den USA viel wichtiger als wir das gewohnt sind: Auch meine superlinken Nachbarn ziehen die Flagge auf am Independence Day. Aber warum finden sie es falsch, wenn der Präsident diese Sportsmillionäre schilt? Trump greife nicht immer zu den richtigen Worten, räumt sie ein: Aber er habe die richtige Einstellung. Grenzen dicht, Illegale nach Hause. Mein Gott, in Kalifornien bekommen die sogenannten “Undokumentierten” sogar einen Führerschein (der ist so gut wie unser Personalausweis): Belohnung für Gesetzesbruch, schimpft sie. Bislang hat sie über diese Bewegungen, die das Land zerreißen – “Sanctuary Cities”, “Black Lives Matter” – nur verständnislos und stumm den Kopf geschüttelt; doch Trump reißt sein Maul so weit auf, dass bequem die halbe Nation darin Platz nimmt.

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Wir sind alle radikalisiert, sagt bekümmert mein Freund, der Hillary-Fan. Er hätte niemals erwartet, dass der Kandidat Trump die Wahl gewinnt. Und jetzt schaut er sich sein Umfeld an und fragt sich: Wer von euch darf bleiben? Er hat muslimische Freunde, seine Gärtner sind ohne Papiere. Wenn unsere gemeinsame Freundin, die Trump-Wählerin, sich für den Präsidenten stark macht: Dann muss sie leider verschwinden aus seinem Leben.

Es ist keine Frage mehr wie: Beatles oder Rolling Stones? Amerika steht auch nicht vor einem Clash politischer Überzeugungen, so einen könnte das Land verwinden. Es geht tatsächlich um: Moral. Welche Werte, was für einen Charakter hat jemand, der Trump folgt und ihn gar in Schutz nimmt? Kann man den noch achten? Und wenn man jemanden nicht mehr respektiert: Dann kann man nicht mit ihm befreundet sein.

Oder schlimmer noch: mit ihm Tisch und Bett teilen. Eine andere Freundin aus dem Hunde-Canyon ist mit einem Trump-Wähler verheiratet. Ihre Ehe steckt in einer echten Krise. Über so viele Dinge kann sie nicht mehr mit ihrem Mann reden, ohne dass sie das Bedürfnis verspürt, ihm ein Küchenmesser zwischen die Rippen zu stecken. Sie beteuert, dass sie ihn liebt. Aber an manchen Tagen ist sie nur noch wütend. Ich muss zum Arzt, sagte sie neulich. Mit gesundem Menschenverstand ist dieses Problem nicht zu lösen.

Tatsächlich berichten viele Therapeuten, dass eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Klienten darüber klagt, wie sehr sie sich von ihren Lieben entfremden. Die einen möchten ihre Partner zum Teufel jagen, die anderen ihre Eltern nicht mehr besuchen, nicht mal an Thanksgiving, weil Grandpa wieder mit Politik anfängt. Ein Professor an der Universität von Minnesota bestätigt in einem Interview, dass er “noch nie von derartigen Spannungen gehört” habe: Ehen, sagt der Soziologe und Scheidungsexperte Bill Doherty, zerbrechen am Trump-Syndrom.

In einer Umfrage vom Februar 2017 gaben 40 Prozent der befragten Amerikaner an, der Wahlausgang vom November habe ihren Beziehungen geschadet. Ein böses Erwachen: Denn wenige Tage vor der Wahl hatten nur 26 Prozent befürchtet, das Ergebnis werde auf ihr Privatleben Einfluss nehmen. Es ist ja nicht so, sagt die Freundin in der Ehekrise, dass ich jetzt erst sein wahres Gesicht erkenne: Wir stehen nur im Nullkommanix wie zwei Boxer im Ring, jeder in seiner Ecke, bitter, wütend, nichts kann uns versöhnen.

Außer dem Hund, sage ich aufmunternd.

Außer dem Hund, pflichtet sie mir schwach bei. Der rennt gerade einem dreimal so kleinen Terrier hinterher: ein Bully – wie Trump.

Schlecht geht’s freilich auch den Trump-Wählern. Mitnichten stehen sie zufrieden an dem Spalt, den ihr Anführer aufgerissen hat und in den er täglich Granaten schmeißt: Sie vereinsamen irgendwie. Eine Handvoll GOP-Mitglieder hat dem Hauptstadtmagazin “The Washingtonian” eröffnet, dass es seit der Wahl extrem schwer sei für ihresgleichen, ein anständiges Date zu finden.

Sad!, würde Trump tweeten.

Glaubst du etwa, unter meinen Gästen war auch nur ein einziger Demokrat?

Auch die Trump-Wählerin umgibt sich – notgedrungen? – immer häufiger mit ihresgleichen. Neulich feierten wir eine Geburtstagsparty für ihren Mann. Ich sprach mit einem Grüppchen mir unbekannter Herren über den Women’s March, der an diesem Wochenende in LA stattfand; sie guckten möglichst neutral in ihre Rotweingläser. Ich musste an den Film “Body Snatchers – Angriff der Körperfresser” denken: Jeden Moment würde einer mit ausgestrecktem Finger auf mich zeigen, kreischen und mich als Alien identifizieren. Glaubst du etwa, sagte meine Freundin am nächsten Tag, unter meinen Gästen war auch nur ein einziger Demokrat?

Die einsamen GOP-Politiker klagen, wenn sie mit jemandem ausgehen und ihre Affiliation oder gar den Arbeitsplatz erwähnen – Gott behüte, das Weiße Haus! –, sei der Abend gelaufen. Die Partnerschaftsseite OKCupid gab Zahlen bekannt, nach denen 72 Prozent ihrer Kunden mit Trump nichts zu tun haben wollen. Echter Deal-Breaker beim Rendez-vous: wenn das Gegenüber sich als Gesinnungsgenosse des Präsidenten entpuppt. Die Konkurrenz bei E-Harmony, ursprünglich sehr christlich gesinnt, gab ebenfalls zu, dass immer mehr Kunden in den vergangenen Monaten Abstand nehmen zu Vertretern der anderen Partei. So ist es kein Wunder, dass ein findiger Republikaner Ende 2017 eine Kennenlern-App angeschoben hat, die sich ausschließlich an den Trump-Tribe richtet. Ungewöhnlich ist das nicht, es gibt ja auch Match-Seiten für Juden, Christen oder Bauern. Aber über keines dieser Sparten-Netzwerke wurde so geätzt wie über “Trump.Dating.com”, wo den Kandidaten Liebe, Romantik und wohl auch ein bisschen Rassismus in Aussicht gestellt wird.

  Cartoon der Illustratorin Vanessa Valadez aus Chicago

Cartoon der Illustratorin Vanessa Valadez aus Chicago

Trump-Wähler und -Mitarbeiter sagen, neuerdings gehen sie Liberalen komplett aus dem Weg. Nicht nur auf Liebespfaden: Es ist gerade mal eine Woche her, dass aufgebrachte Trump-Gegner dessen engste Mitarbeiter – seine Homeland-Security-Chefin Kirstjen Nielsen, seine Pressesprecherin Sarah Huckabee-Sanders – nach Dienstschluss in Restaurants entdeckt und angegiftet haben. Demnächst werden wohl  auch Lokale separiert für Freund und Feind, für Rot und Blau.

Wie überlebt man den Schlamassel? David Frum, ein ehemaliger Redenschreiber für Bush und heute viel im US-Fernsehen unterwegs als gemäßigte Stimme von Rechts, rief gerade in einem Artikel dazu auf, Trump Trump sein zu lassen und sich auf den eigenen Anstand zu besinnen. A la Michelle Obama: “When they go low, we go high”, hat sie gesagt. Irgendwie liegt beiden Überlegungen die Hoffnung zugrunde, dass Trump-Fans nicht alles Idioten sind.

Ich bin nach wie vor zerrissen. Morgen früh um sieben werden wir wieder im Canyon marschieren. Trump muss weg, könnte ich sagen. Und: Ich will dich nicht mehr sehen, solange du hinter diesem Idioten stehst! Wie ich sie kenne, würde es ihr das Herz zerreißen.

Und wie ich mich kenne, werde ich mit dem “Westworld”-Finale ankommen.

 Da war er noch jung und schön – und spaltete nicht das ganze Land: Der Entertainer und Immobilienunternehmer 1997 in seinem Anwesen in Florida, angemessen inszeniert vom Celebrity-Fotografen Max Vadukul

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