Badespaß und Grundriss-Porno

Die Perlen vom Beverly Park: Mega-Mansions in einem der exklusivsten – kann man das steigern?! Hier schon! – Villenviertel der Stadt

Am Sunset Boulevard liegt hinter hohen Hecken das Beverly Hills Hotel, an dessen Pool sich gern Hollywood-Legenden und Staatsoberhäupter sonnen und das von der Instagram-Gemeinde wegen seines glamourösen “Vintage”-Looks vergöttert wird. Im Mai hat der “Pink Palace” seinen 106. Geburtstag gefeiert, und die mondäne Hausbar – Polo Lounge genannt – ist fast genauso lange schon Tummelplatz der einheimischen Diven, Starlets und Moguln. In einer der Sitzecken hat Frank Sinatra mal einem Tischnachbarn das Hoteltelefon über die Birne gezogen, Richard Gere flirtete hier als “American Gigolo”, und Mia Farrow wurde einst der Tür verwiesen, weil sie Hosen trug.

 
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Du kommst aber spät – dafür, dass du dich nicht mal aufgebrezelt hast! Schau die Girls am Nebentisch, die waren schön boutiquen am Rodeo Drive, jedenfalls den Tüten nach.

Sorry, ich wollte mir das Valet sparen und habe gegenüber geparkt – übrigens auch am Rodeo Drive. Und weißt du, vor wessen Residenz ich meine staubige Karre platziert habe?

Du kannst ruhig mal durch die Waschstraße, das gilt auch für dein Auto.

Donald Trump!

Ach, der wohnt hier?

Er besitzt hier, und zwar zwei nebeneinander liegende Villen, eine war vor ein paar Jahren für 30 Millionen auf dem Markt. Schlagendes Verkaufsargument: Der Käufer würde Trumps Nachbar!

Check, Please!

Unsere Bars – diesmal: The Polo Lounge

The Beverly Hills Hotel
9641 Sunset Boulevard, Beverly Hills
www.beverlyhillshotel.com

Aufgetischt Nachkriegskost zu futuristischen Preisen. Der legendäre McCarthy Salad (Schnipselgemüse mit Aufschnitt) macht 40 Dollar das Tellerchen. Eine Portion Spaghetti Bolognese: 54 Dollar. Auf den Schock einen Signature Cocktail, zum Beispiel die Margarita Primavera: 21 Dollar

Aufgelaufen Junge Influencerinnen aus aller Welt nippen draußen auf dem Patio zu viert an einem Eistee, während Old Hollywood sich lieber drinnen auf der Ledercouch gepflegt betrinkt

Aufgedreht Am Flügel in der dämmerigen Lounge hat sich früher Marilyn Monroe geräkelt. Heute klimpern wechselnde Pianisten zur blauen Stunde. Sonntags Jazz-Brunch

Aufgeschnappt “Ist das da hinten in der Booth Mark Wahlberg oder ein russsischer Zuhälter?"

Ich wähnte The Donald eher als Schlafgast hier im Hotel. Im “Hollywood Reporter” hat er mal geprahlt, dass die immer eine Suite für ihn parat haben – auch wenn er spontan am Vorabend der “Oscars” absteigen möchte.

Habe ich dir schon erzählt, dass ich in einer “Oscar”-Nacht hier in der Polo Lounge saß, während am Nachbartisch George Clooney Spaghetti zwirbelte?

Augenroll, schon hundert Mal. Gut, dass damals das Internet noch nicht erfunden war. Du hättest Instagram gesprengt. Übrigens, das hier…

(klopft an die pfirsichfarbene Wand)

...ist eines der Lieblingsmotive der Influencer: Dabei waren die Wände schon milleniumsrosa und mit Philodendren angemalt, als die Eltern der Instagrammer das noch für spießig hielten.

(Kellner tritt an den Tisch, aufgeräumt): Haben die Damen schon gewählt?

Zwei Margaritas, bitte.

Och, ich hab noch gar nicht in die Karte geschaut, wollen wir vielleicht einen Snack? Da am Nebentisch haben sie schöne Sandwiches…

(Kellner wippt erwartungsvoll)

(fest): Zwei Margaritas, danke und auf Wiedersehen. -- Nein, du möchtest keine schönen Sandwiches, schau mal die unappetitlichen Preise. Apropos, wieso verschleppst du mich in die Polo Lounge?

Weil ich gerade aus Beverly Park komme, das passt!

Warte, das ist diese Gegend am Mulholland Drive, wo die ganzen Scheichs und Hollywood-Stars wohnen? Ich hab kürzlich Mark Wahlberg interviewt, der hat dort ein Schlösschen. Da wollte ich immer schon mal vorbeifahren.

Ts, ts, da kann man nicht einfach vorbeifahren wie bei McDonalds – ich musste mich ausweisen am Schlagbaum, mein Nummernschild wurde gescannt, und kaum rollerte ich die Straße runter, setzte sich ein dunkler Sedan zur Beschattung in meine Spur. Wer unterwegs anhält, wird verhaftet.

 Spielwiese für Moviestars, Scheichs und andere Milliardäre: Diesen praktischen Wegweiser gibt's am Einlasstor zum Beverly Park. Oben im Bilderkarussel zeigen wir: Haus Nr. 40, ein rosafarbenes Schlösschen vom Reißbrett des Architekten Richard Landry; Haus Nr. 46 kommt mit Luxuskarrossen und sieben Badezimmern; Haus Nr. 54 gehörte einem Schönheitschirurgen und seiner Gattin, die in den "Real Housewives of Beverly Hills" mitgespielt hat, Baumeister: Landry; in Haus Nr. 72 sind wir zu Gast; Haus Nr. 75 nennt sich "Villa Santus" und spielt Toskana; Haus Nr. 34 ist ein weiteres Landry-Schmuckstück

Spielwiese für Moviestars, Scheichs und andere Milliardäre: Diesen praktischen Wegweiser gibt's am Einlasstor zum Beverly Park. Oben im Bilderkarussel zeigen wir: Haus Nr. 40, ein rosafarbenes Schlösschen vom Reißbrett des Architekten Richard Landry; Haus Nr. 46 kommt mit Luxuskarrossen und sieben Badezimmern; Haus Nr. 54 gehörte einem Schönheitschirurgen und seiner Gattin, die in den "Real Housewives of Beverly Hills" mitgespielt hat, Baumeister: Landry; in Haus Nr. 72 sind wir zu Gast; Haus Nr. 75 nennt sich "Villa Santus" und spielt Toskana; Haus Nr. 34 ist ein weiteres Landry-Schmuckstück

Ach, das meinte Mark mit “idyllisch”, als er sagte, dass seine Kinder auf der Straße spielen können. Was hast du dort überhaupt verloren?

Ich habe mir eine Arbeitsprobe von Richard Landry angesehen.

Muss ich den kennen?

Also, die “New York Times” nennt ihn den “König der Mega-Mansions”: Der zieht Traumpaläste für Milliardäre jeder Art hoch – im Beverly Park stehen ein paar seiner Kreationen, mit Ballsälen und Bowling-Anlagen und Tiefgaragen für 12-Wagen-Fuhrparks. Riesige Klötze, unter 2000 Quadratmeter Wohnfläche darf da nämlich gar nicht gebaut werden.

Lass mich raten, mit dem sozialen Wohnungsbau hat es dieser Landry nicht.

In Saudi-Arabien hat er für einen Scheich und dessen engste Familien eine 10.000 Quadratmeter große Wohnanlage hingestellt. Er steht auf versenkbare Glasfronten und Kamine im ganzen Haus. Kennst du die Villa von Gisele Bündchen und ihrem Footballer-Gatten? War mal in “Architectural Digest”. Voll grün mit Sonnenpanelen und Kompostanlagen, 32 Badezimmern und einem Burggraben ums traute Heim.

Du klingst erregt. Ich glaube, solche Baupläne nennt man “Grundriss-Pornos”.

Ich finde Landry interessant – er kommt aus kleinen Verhältnissen, wäre fast Lehrer geworden, und heute himmeln ihn die Stars an, weil er ihre feuchten Träume verwirklicht… Und rate, wer die Trump-Villa gebaut hat?

Ach.

Im Beverly Park hat er für Sylvester Stallone gewerkelt. Und auch für deinen Freund Mark Wahlberg!  

Das wusste ich nicht, obwohl wir uns lange über sein Mega-Mansion unterhielten. Er erwähnte, dass sein Basketballplatz dem der Boston Celtics nachempfunden ist und er beim Dribbeln das Geplätscher seines hauseigenen Wasserfalls hört.

Ach, dann wohnt er direkt neben Landrys eiskaltem Glaskasten, den ich mir angesehen habe! Naja, “direkt”: Zwischen uns lagen eine monströse Hecke, ein riesiger manikürter Rasen und ein olympischer Swimming-Pool.

Glaskasten? Das muss der sein, den der Mark abreißen lassen will. Er sprach voller Abscheu über modernen Minimalismus. Sein eigenes Heim ist gemütliche 2800 Quadratmeter groß und einem französischen Renaissance-Landschloss nachempfunden.


Das Traumhaus von Mark Wahlberg: 2009 kaufte der Schauspieler für acht Millionen Dollar ein gut 24.000 Quadratmeter großes Grundstück im Beverly-Park-Revier. Fünf Jahre lang dauerte es, bis die Baupläne – von seinem Lieblingsarchitekten Landry – sich in voller Pracht aus der Hügelwelt von Beverly Hills erhoben. 2014 zog die sechsköpfige Familie ein


Renaissance, soso. Ich hätte eher auf Rokoko getippt.

Nein, so protzig mag er es nicht. Er sagt, er bevorzugt Burgen, die wie Festungen gebaut wurden, um marodierende Raubritter abzuwehren.

Hm, mit Raubzügen kennt Marky Mark sich ja aus – hat er nicht als trunkener Teenager mal einen Immigranten niedergeschlagen und ihm zwei Sixpack Bier gestohlen?

Hör auf mit diesen alten Geschichten! Als frommer Familienvater ist er doch schon lange geläutert. Seine vier Kinder bewohnen eigene Flügel, hat er erzählt. Mit Hausaufgabenzimmer und Entspannungsbereich. Sein eigener liegt unterm Büro: ein Weinkeller mit 5000 Flaschen.

Und wenn die Kinder verloren gehen?

Findet er sie über Sicherheitskameras wieder, die in jeder Ecke installiert sind.

(Kellner schleppt zwei Tabletts heran): Für die Damen, zwei Margaritas!

Sind die Sandwiches auch für uns?

(Kellner, indigniert): Das sind lediglich Überreste vom Tisch der jungen Ladys dort drüben.

Aber die sehen doch vollkommen unberührt...

Schsch. Ganz ruhig. (Zum Kellner): Wir sind bedient, danke.

Ich komme über die Verschwendung nicht hinweg. Du hast gesagt, Wahlberg will den Landry-Bunker kaufen, um ihn abzureißen?

Er dachte jedenfalls laut darüber nach. Mehr Platz für die Kinder und so. Du warst doch dort. Wär’s das wert?


Ein bisschen Pompidou, ein bisschen Pomp, viel Palme: Außenansichten von Landrys Glaspalast


35 Millionen Dollar für 2,7 Hektar Land sind mittlere Preislage für die Gegend. Die Maklerin pries das Haus als perfekten “Celebrity Compound”.

Ein Prominenten-Gehege? Das passt ja.

Wer sich’s leisten kann...

Wahlberg findet sich im Vergleich zu seinen Nachbarn nicht reich, sondern nur gutsituiert. Ist der Glaskasten tatsächlich so frostig?

Gemütlich wie ein Aquarium! Und das erste, was ich sehe, waren zwei tote Piepmätze im Gras vorm Foyer – gegen die gigantischen Meister-Proper-Scheiben geknallt. Aber mit Vogelschutz-Aufklebern ruiniert man natürlich den Flow.


Glaspalast, Innenansichten: Die Wände – und auch die Decken! – sind bereit für allerlei Kunst. Ansonsten kommt viel Sonne rein; nicht so gut für Vögel


Hast du ein Erinnerungsfoto von den armen Verblichenen?

Machst du Witze? Die Maklerin warf mir einen Blick zu wie jemand, der Kritikern Pferdeköpfe ins Bett legt. Sogar die Brücke, die das Haupthaus mit dem Gästeflügel verbindet, ist vollverglast. Erinnerte mich irgendwie ans Centre Pompidou. Aber das liegt vielleicht auch an der „Kunst”, die überall rumstand.

Ah, vielleicht wohnte dort ein Galerist? Der Mark hat überall Vorhänge, sogar im Wintergarten.

Lauwarm! Du kommst nie drauf, wer die Eisbox bei Richard Landry bestellt hat.

Hm. Exhibitionistisch, reich… der König von Tutzing, äh, Thailand?

Nein, nein, denk an Grundriss-Porno.

Hmmm, geil und größenwahnsinnig…

 Norman Zada lebt gern hinter Glas. Joan Rivers' letzter Gefährte (M) im Kreise seiner „Perfect 10"-Schönheiten 

Norman Zada lebt gern hinter Glas. Joan Rivers' letzter Gefährte (M) im Kreise seiner „Perfect 10"-Schönheiten 

Perfekt! Der Auftraggeber war Norman Zada, ehemaliger Stanford-Professor und Gründer des Softpornomagazins „Perfect 10". Sein Heftchen existiert nur noch online, aber die Geschäftsidee ist die gleiche: Nacktmodels von nebenan, in ihrer naturbelassenen Pracht. Silikonbrüste müssen draußen bleiben.

Ich möchte mir lieber nicht vorstellen, was der alles in seinem Glaskasten ausgestellt hat.

 Joan Rivers fand: Looking 50 is great – if you’re 60

Joan Rivers fand: Looking 50 is great – if you’re 60

Du wirst lachen, aber: Seine letzte bekannte Gefährtin war Joan Rivers.

Die “Ich-hatte-so-viel-Plastic-Surgery-sie-sollten-meine-sterblichen-Überreste-an-Tupperware-vermachen”-Joan-Rivers??

Genau die.

Die immer gescherzt hat, sie wünschte sich eine Zwillingsschwester, um zu erfahren, wie sie ohne die ganzen Schönheits-OPs aussähe?!

Yep.

Gott hab' sie selig. Was hat die spöttische Joan nur mit diesem Naturfreund im Glashaus getrieben?

Ach, als sie mit ihm zusammen kam, wohnte in der Villa schon der nächste Besitzer, ein Scheich. Aber trotzdem, seltsame Aura!

Vielleicht sollte Mark Wahlberg das Ding wirklich abreißen und das Grundstück in einen Abenteuerspielplatz verwandeln.

Und worauf trinken wir jetzt?

Auf unseren Bausparvertrag!

 Berühmter noch als die Polo Lounge ist der Pool des Beverly Hills Hotels – und das ist, aller Instagrammerei zum Trotz, das schönste Bild, das dort je geschossen wurde: Faye Dunaway und ihr Goldmännchen um sechs Uhr morgens nach der Oscar-Nacht. Fotografiert hat den "Network"-Star der Brite Terry O'Neill; sechs Jahre später haben die beiden sogar geheiratet. "The Morning After" hängt, klar, schön gerahmt im Hotelflur; der Oscar zog mit Dunaway von dannen

Berühmter noch als die Polo Lounge ist der Pool des Beverly Hills Hotels – und das ist, aller Instagrammerei zum Trotz, das schönste Bild, das dort je geschossen wurde: Faye Dunaway und ihr Goldmännchen um sechs Uhr morgens nach der Oscar-Nacht. Fotografiert hat den "Network"-Star der Brite Terry O'Neill; sechs Jahre später haben die beiden sogar geheiratet. "The Morning After" hängt, klar, schön gerahmt im Hotelflur; der Oscar zog mit Dunaway von dannen