Diesmal: Beach Time!

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Mein erstes Mal tat weh. Das Leihbrett, auf dem ich, wie von den Hökern am Straßenrand versprochen, "Wellenreiten an einem Tag" lernen wollte, richtete sich auf wie ein Grizzlybär vorm Angriff und krachte mir mit voller Wucht auf den Kopf.  Es tat wirklich weh – und es war peinlich. Die Malibu-Locals, die das Drama im Wasser täglich aus der „Snakepit" neben dem Strandeingang kommentieren, lachten mich aus, als ich aus der Brandung torkelte. Doch am nächsten Tag kehrte ich zurück. Und am übernächsten. Irgendwann, nach Monaten, in denen ich mich unter dem Begleitgesang dieses griechischen Chors von einer "der zehn besten Wellen der Welt" hatte demütigen lassen, begrüßte mich der Chor mit "Fräulein". „Fräulein is back!" Surfen konnte ich immer noch nicht, aber ich hatte immerhin schon einen Spitznamen. Ohne gehört man nicht dazu, in der 'Bu.

 

Eins...

Surfrider Beach, Malibu

 Ach, Malibu. So leer ist es in der Hauptsaison leider nie

Ach, Malibu. So leer ist es in der Hauptsaison leider nie

Ja, Malibu ist ungefähr so originell, wie den Santa Monica Pier als Sehenswürdigkeit zu empfehlen. Aber was sollen wir tun? Es ist Liebe. Zum Traumstrand fehlen the 'Bu die wichtigsten Attribute: Das Wasser ist eher graugrün als türkis. Der Sand: grob und gelb und oft von Algenhaufen verunstaltet. Der Pazifik erreicht erst im August Badetemperatur, und auch die steigt selten über kühle 20 Grad. Schwimmen darf man nur in einem abgegrenzten Bereich, nahe des Piers. Der Rest ist für Surfer reserviert. 

 Den Anfänger erkennt man am verkehrtherum geparkten Board

Den Anfänger erkennt man am verkehrtherum geparkten Board

 An der Mauer, auf der Lauer: Den locals entgeht nichts

An der Mauer, auf der Lauer: Den locals entgeht nichts

Warum Sie da trotzdem unbedingt hin müssen? Weil dieser griechische Chor die beste Einführung in LA gibt, die ich mir denken kann. Achten Sie auf Klüngel älterer, braungebrannter Herren, die in der Nähe der Mauer zum Parkplatz herumstehen und -liegen. Positionieren Sie sich in Hörweite. Sie werden alles über den Mikrokosmos im Wasser und an Land erfahren. Who's who and what they do. Auch im Verhältnis zu „früher" (je nach Alter der Herren gilt „früher" als Siebziger- oder Fünfzigerjahre. Seit Bill gestorben ist, der letzte Malibu Surfer, der nach dem Zweiten Weltkrieg noch vom Duke persönlich das Wellenreiten gelernt hat, gilt „Mysto" George Carr als Hüter der Erinnerung. Wegen der Hüfte kommt „Mysto" allerdings nur noch dienstags, wenn im „Dukes"-Restaurant weiter oben an der Straße Taco Tuesday ist).

Wenn Sie genug gehört haben, ziehen Sie mit ihrem Handtuch ein Stück weiter nördlich. Im Schatten des Lifeguard-Towers, vor der Hochzeitswiese des Adamson-House, hat man seine Ruhe und einen fantastischen Blick auf das Wasserballett da draußen.  

 Wer da nicht „Ja" sagt: Blick von der Hochzeitswiese des „Adamson House"

Wer da nicht „Ja" sagt: Blick von der Hochzeitswiese des „Adamson House"

 Upstairs, downstairs: Hunde sind am Strand vor dem Soho Beach House verboten

Upstairs, downstairs: Hunde sind am Strand vor dem Soho Beach House verboten

Hollywoodstars sind eher selten hier, aber nicht weit. Ein kurzer Spaziergang unterm Pier hindurch führt direkt zum Billionaires Beach und Beyoncés Lieblings-Edeljapaner „Nobu". Vielleicht guckt sogar Leonardo von der Terrasse nebenan herunter.

Natürlich können Sie am Pier auch eines dieser bunten Schaumstoffbretter mieten und Ihr Glück versuchen.

Aber ich habe Sie gewarnt.

 

 

 

 
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Gefällt:  Surfern und ihren Bewunderern

Anfahrt und Annehmlichkeiten: hier

Aftersun: Millennial-Kost (z.B. glutenfreie Broccolipizza) gibt's auf dem Pier im Malibu Farm Restaurant

 

 

...zwei...

Abalone Cove, Palos Verdes

 

 Sieht aus wie handkoloriert, ist aber Natur: Palos-Verdes-Aussichten machen demütig

Sieht aus wie handkoloriert, ist aber Natur: Palos-Verdes-Aussichten machen demütig

 Keine Chance, sich zu verirren: Alle Wanderwege führen zum Meer

Keine Chance, sich zu verirren: Alle Wanderwege führen zum Meer

Ein Strand für Leute, die eigentlich keine Strände mögen. Ich kenne so jemanden, und wenn ich sonntags die Bedürfnisse des Hundes mit dem Bewegungsdrang dieses Beach-Verächters und meiner Sehnsucht nach Meer vereinen möchte, fahren wir nach Palos Verdes. Wo die diskreten Reichen wohnen. Und die Aussichten es mit Big Sur aufnehmen können. Eine echte Stadtflucht. Von Santa Monica geht es ungefähr zwanzig Minuten Richtung Süden auf dem 405-Freeway und dann noch einmal so lange auf einer Schnellstraße Richtung Pazifik. Je näher man dem Meer kommt, desto ostküstenhafter wird die Szenerie. Prächtige Herrenhäuser im Cape-Cod-Stil, Pferdekoppeln, saftig grüne Hügel. Man parkt am Abalone Cove Shoreline Park und spaziert (mit ein paar fotogenen Schlenkern) ungefähr eine Stunde bis zum Wasser.

 In den Tidepools gibt's koa Sünd'. Außer bei Ebbe

In den Tidepools gibt's koa Sünd'. Außer bei Ebbe

Wegen des struppigen Gebüschs am Wegesrand und dem sandigen Untergrund ist die Gegend auch bei Schlangen beliebt. Keine Angst, in vielen Jahren begegnete uns nur eine – harmlose – gopher snake. Das nützliche Reptil ist allein auf Wühlmäuse scharf. Unten angekommen, klettert man über Felsen bis zu einer Badebucht, die auch im Hochsommer von den Massen verschont bleibt. Bei Ebbe ist dafür in den Tidepools die Hölle los: Jede Menge Seegetier wuselt durch die Gezeitentümpel – Krabben, Seeanemonen und die schönen Perlmutt-Schnecken, die der Bucht den Namen geben. Bitte nicht pflücken!

 
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Gefällt: Wandervögeln und Wasserratten

Eine gute Wanderroute  gibt's hier 

Aftersun: auf halber Strecke nach LA in Torrance im Foodcourt des Mitsuwa Market einkehren

 

 

...drei

Rincon Beach, Carpinteria

 Wie aus der Zeit gefallen: Rincon Point an einem nebligen Sommermorgen

Wie aus der Zeit gefallen: Rincon Point an einem nebligen Sommermorgen

Noch so ein legendärer Surferbeach. Aber im Gegensatz zu Malibu ist Rincon, 80 Minuten nördlich von Los Angeles gelegen, ein ausgesprochener „Winterbreak". Die Welle braucht Antrieb aus dem Nordwesten, das kommt zwischen Juni und September eher selten vor. Weshalb es hier, an der Grenze von Santa Barbara- und Ventura-County, auch an einem heißen Sommernachmittag ausgesprochen entspannt zugeht. Es ist der Strand, an den wir fliehen, wenn es überall sonst zu voll ist. Zur Bucht führt ein ausgetretener Pfad, am Ende wartet linker Hand eine struppige Palapa. Die Palmwedelhütte wird jedes Jahr zur Wellensaison von verlederten Machos besetzt, im Sommer stehen Schatten und die Feuerstelle allen Besuchern frei.

Der Pfad zum Point führt an der Palapa (Mitte) vorbei. Rechts: totally stoked

Obacht: In der einladend wirkenden Felskoje nebenan erleichtern sich angeblich die Jungs, die es nicht zum Plumpsklo oben am Parkplatz schaffen. (Ein ausgesprochen sauberes und geruchloses Plumpsklo übrigens). Wo im Winter Sechs-Meter-Brecher toben, paddeln im Sommer Kleinkinder in sanft plätschernder Brandung. Bei Ebbe kann man an einem malerischen Tümpel und Multimillionen-Dollar-Villen vorbei zum weitläufigen Rincon Beach Park spazieren. Dort treffen sich am Wochenende Großfamilien zum Grillen. Hunde sind nicht erlaubt, aber gern gesehen.

 
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Gefällt: Sommerfrischlern und Wintersportlern

Anfahrt und Annehmlichkeiten: hier

Aftersun: auf dem Rückweg nach LA in Oxnard frischen Fisch mit Hafenaussicht genießen