Diesmal: H2O?! Oh no! Regen in L.A.

"...never rains in Southern California" – und dann halt doch. Regen heißt hier "winter storm", Pfützen fallen unter "flooding", und NIederschlag bezieht sich ganz schnell aufs Gemüt. Wer jahrelang an der Waterkant gelebt hat, findet das eher lustig; aber wer zum ersten Mal unsere Rush Hour bei Wolkenbruch erlebt, braucht ganz viel Sonne im Herzen, um nicht durchzudrehen. Hier drei Dinge, die wir von den Eingeborenen über Regen gelernt haben

 

Fahrwasser

 Im Schlamassel: Verkehrsteilnehmer, wetterberuhigt ( Foto: AP)

Im Schlamassel: Verkehrsteilnehmer, wetterberuhigt (Foto: AP)

Regen ist, erstens, mördergefährlich. In uralten Überlieferungen heißt es: Sobald der erste Tropfen die Fahrbahn trifft, rutschen Autos unweigerlich von der Straße und verschwinden auf Nimmerwiedersehen im San-Fernando-Tal; dem Mythos zufolge werden sie dort von der ansässigen Adult-Film-Industrie zu Schrott-Pornos verarbeitet („Cars 3: Totally Wet“). Für die sich trotzig an den Highway Klammernden gilt: niemals die Höchstgeschwindigkeit von ca. 10 km/h überschreiten, es sei denn, die Scheibenwischergummis sind von der Sonne zerbröselt. Dann sieht man eh nix mehr, sollte also das Pedal durchdrücken und mitten durch die Flut preschen, als gäb’s kein Morgen, damit man schneller zu Hause ist, logo, als all die anderen armen Teufel.

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Hochwasser

 Rosige Aussichten: Nicole Kidman als Wetterfee in der Komödie "To Die For" von 1995

Rosige Aussichten: Nicole Kidman als Wetterfee in der Komödie "To Die For" von 1995

Regen ist, zweitens, so etwas wie Oscar-Season für Wetterfrösche im Fernsehen. Schluss mit „heute sonnig und warm, morgen sonnig und heiter“: Jetzt ist die Zeit fürs große Drama gekommen, für Emotionen, die hochsprudeln wie Abwasser aus den übersättigten Gullys. Flood warning! Mud slides! Sink holes! Multiple car accidents caused by idiots driving 100 miles per hour to get home early! Zur koordinierten Panik wird von allen TV-Stationen aufgerufen, sobald Außendienstmitarbeiter (in Haz-Mat-Anzügen) die erste lückenlos mit Wasser besprenkelte Oberfläche vermelden können. Zur Not wird rangezoomt (eine Flut, so klein sie auch sein mag, hat was Biblisches); und dann werden Einheimische befragt, wie sie mit der göttlichen Prüfung umgehen. „Ich ziehe meine Kapuze auf den Kopf“, sprach kürzlich auf „ABC – Breaking News“ eine junge Heldin des Alltags, „und dann gehe ich einfach weiter.“ Der WAHNSINN!

Kribbelwasser

 Purple Rain: Saluki im Schutzanzug (von "Morgan's Market")

Purple Rain: Saluki im Schutzanzug (von "Morgan's Market")

Und Regen ist, drittens, die willkommene Aufforderung zum Abenteuer in der Großstadt. Mal in geschlossenes Schuhwerk steigen! Das Facebook-Cover-Foto aktualisieren! Im Minutentakt den Wetterbericht instagrammen! Und dann natürlich: situationsbedingtes Accessoirisieren! Das Smartphone braucht eine wasserdichte Hülle, dito Mensch, dito Hund: Regencapes werden angeschafft, und zum Auto schreitet man, wie aufregend, unter einem Schirm so undurchdringlich wie ein Amazonenschild. Tatsächlich überwiegt in den ersten Minuten eines Regentags Freude ob des klimatischen Tapetenwechsels. Dann, apropos, erhebt sich die bange Frage, ob das Dach halten wird. Die Nummern von Dachdeckern werden hektisch hervorgekramt. Wie, heute keine Zeit?! Erst übermorgen?? Dann ist doch alles schon wieder vorbei. Auf der To-Do-Liste wird vermerkt: Dach richten lassen! Scheibenwischblätter auswechseln! Dann klärt sich der Himmel. Und nötig sind wieder Schokoeis und Sonnenmilch.

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