Alle gaga wegen La La

 Das Traumschlösschen von Hollywood: Im Chateau Marmont, 1931 als Hotel eröffnet, schlummern und prunken gern die Schönen & Reichen aus aller Welt. Das einem Loire-Palais nachempfundene ehemalige Apartment-Gebäude beherbergt nicht nur Stars, es hat selbst schon in Filmen mitgespielt

Das Traumschlösschen von Hollywood: Im Chateau Marmont, 1931 als Hotel eröffnet, schlummern und prunken gern die Schönen & Reichen aus aller Welt. Das einem Loire-Palais nachempfundene ehemalige Apartment-Gebäude beherbergt nicht nur Stars, es hat selbst schon in Filmen mitgespielt

Eichhörnchen flitzen zwischen sorgsam frisierten Buchsbüschen und Louboutin-Absätzen, an rot-weiß karierten Rattan-Tischen klirren Kristallgläser und Gelächter. Bildschöne Kellner tun so, als würden sie den A-List-Star nicht erkennen, der sich dort drüben in der Ecke mit seiner Geliebten streitet – – – also alles wie immer im Chateau Marmont am Sunset Boulevard.

 

Sitzt du schon lange hier?

 

Lange genug, um vor einer halben Stunde zwei Martinis geordert zu haben.

 

Tut mir leid – ich stand im Stau. Wo sind die Martinis?

 

Keine Ahnung, vielleicht war der Süße, bei dem ich geordert habe, gar kein Kellner?

 

(starrt einem Brünetten in engen Hosen hinterher) Hast du hier nicht mal den zärtlichen Schläger aus „50 Shades of Grey“ getroffen?

 

An was du dich erinnerst! Jamie Dornan. Ein hübscher Mann, aber ein echt quälendes Interview. Er war ähnlich abweisend wie das Personal hier. Hello, Sir?

 

(Kellner rauscht mit Model-Blick geradeaus vorbei)

 

DU wolltest dich doch hier treffen.

 

Muss. Recherche für eine Reisegeschichte. Du weißt, wegen „La La Land. Kleine Stadtführung entlang der Film-Locations.  Hier im Hotel residiert Emma Stone am Ende, als sie es geschafft hat.

 

 "Another Day of Sun": Eröffnungsszene aus "La La Land"

"Another Day of Sun": Eröffnungsszene aus "La La Land"

Hm. Bald werden sie Touristen in Bussen über den 110 Freeway karren, mit Ballett an Bord.

 

Der Tanz auf dem Autobahnkreuz ist doch die lustigste Szene im Film! Du klingst bitter.

 

Mir fällt zum 110 immer nur ein, dass er zu einem Tierheim führt, in dem Tausende von verlassenen Hunden in Hühnerkäfigen auf ihr Todesurteil warten.

 

Huch. Kellner! Kellner! Das ist ein Notfall! – Die Deutschen jedenfalls sind verrückt nach „La La Land.

 

Hab ich gehört, aber brauchen wir im Ernst noch mehr Bewunderer auf den Straßen? Ich sage: „La La Land“ wird für Los Angeles so verheerend wie „Sex And The City“ für New York.

 

Na und? Sogar die „New York Times hat LA als die aufregendste Stadt Amerikas bezeichnet.

 

Hab' mich gewundert. Normalerweise wird von Ost nach West doch nur gesnobbt. Wie Woody Allen schon sagte: Die einzige kulturelle Errungenschaft von Los Angeles besteht darin, dass man trotz Rot rechts abbiegen darf.

 

Ach, ich war genauso drauf, als ich noch in New York gewohnt habe. Ich konnte Leute, bei denen man ständig die Zehen sieht, einfach nicht ernst nehmen. Lena Dunham hat mal gesagt, wenn sie länger als zwei Wochen in LA verbringt, wird sie traurig.

 

Aha. Lernen wir jetzt was über deine Füße oder Lena Dunham?

 

Sie hat sich mopsfidel eine 2,7-Millionen-Dollar-Villa in Hollywood gekauft, in der früher George Peppard gewohnt hat.

 

Hilf mir auf die Füße, welcher George?

 

Audrey Hepburns Lover in „Frühstück bei Tiffany! Der ultimativen Liebeserklärung an New York, quasi das „La La Land für Manhattan. – Audrey hat übrigens auch mal hier im Chateau  gewohnt.

 

Wer nicht? Dieser Bau gilt als bedeutende historische Stätte, bloß weil im Bad alle Fliesen gesprungen sind. Dir ist klar, dass die Szenen mit Emma im Penthouse gar nicht hier, sondern in so einer Hochzeits-Location im Grünen gedreht wurden. Den Filmleuten war’s hier innen zu abgegrabbelt.

 
 Legendäre Gäste: Helmut Newton – der vielleicht beste Frauen-Fotograf der Welt und ganz sicher der mit den besten Beinen – crashte 2004 mit seinem Cadillac in die Hotelmauer; Robert Mitchum (Mitte) beim Spülen in seiner Suite, die seitdem – 1949 – praktisch unverändert blieb; 1982 starb der "Blues Brother" James Belushi an einer Überdosis in einem der Bungalows hinter dem Pool

Legendäre Gäste: Helmut Newton – der vielleicht beste Frauen-Fotograf der Welt und ganz sicher der mit den besten Beinen – crashte 2004 mit seinem Cadillac in die Hotelmauer; Robert Mitchum (Mitte) beim Spülen in seiner Suite, die seitdem – 1949 – praktisch unverändert blieb; 1982 starb der "Blues Brother" James Belushi an einer Überdosis in einem der Bungalows hinter dem Pool

 

Jetzt sag bloß, dir hat „La La Land" nicht gefallen?

 

Wie kommst du darauf? Mir wurde nur bei der Premiere etwas unwohl, als unser Bürgermeister behauptete, der Film sei wie eine Touristenbroschüre. Ich bin sowieso schon als Myth-Buster verschrien. Einmal wollte eine Zeitung meine Geschichte nicht drucken, weil ich darauf beharrte, dass Radfahren in Los Angeles – entgegen aller optimistischen Prognosen deutscher Reise-Redakteure – immer noch Nahtoderlebnisse beschert. Jedenfalls sobald man sich vom Strand entfernt.

 

When the legend becomes fact, print the legend.

 

Du, der Präsident und ich, wir mögen einfach keine Fake News.

 

Aber komm – das Griffith Observatorium ist doch wirklich toll für Touris und Angelenos.

 

Eben drum: von Menschenmassen begraben.

 

Der Pier, den Ryan Gosling entlangtanzt!

 

Mussten sie 30 Meilen südlich in Huntington Beach drehen, weil das Original in Santa Monica ein Rummelplatz ist. Und die „Angels Flight“-Seilbahn, in der unsere beiden Lovebirds gondeln? Seit Jahren dicht.*

 

(Kellner erscheint, bringt Martinis in schweren Gläsern): Die Damen.

 

Danke. Mögen Sie Los Angeles?

 

(Kellner, stutzt): The City of Stars?! Wer nicht?!

 

Sind Sie endemisch?

 

(Kellner): Es ist nur eine leichte Erkältung, der Regen vergangene Woche...

 

Nein, ich meine: Sind Sie von hier?

 

(Kellner, gewitzt): Wer ist denn schon von hier, Maam.

 

Don't call me Ma’am! Hab' ich dir mal erzählt, wie ich hier mit Sharon Stone saß und diese Jungs sie komplett ignorierten?

 

Was?! Hatte sie die Beine übereinandergeschlagen?

 

Nein, sie kann sich einfach nur unsichtbar machen, wenn sie Beute auskundschaftet, wie alle Raubtiere. Baseballkappe, Sonnenbrille, Leggins... Jedenfalls sprachen wir über ihre Vorliebe für jüngere Männer. Sie sagte, die jungen Dinger hier seien keine Konkurrenz. Nicht nur, weil sie besser Bescheid weiß im Bett. Sondern, weil sie ihre Boy-Toys darüber hinaus noch mit einer warmen Mahlzeit und einem frischen Paar Socken verwöhne.

 

Socken? Da hast dus.

 

Miss Stone gehört unter Naturschutz, wie unsere Pumas.

 

Die regelmäßig überfahren werden.

 

Ich dachte, ich bin heute der Miesmacher?

 

Ach, ich trauere noch immer um P-52, den ersten Unfalltoten des Jahres aus unserer Berglöwenfamilie. Er war erst sieben Monate alt.

 

Hab’s gesehen, so schöne blaue Augen. War der Kleine nicht ohnehin Halbwaise?


 Puma-Baby P-52 lief bedauerlicherweise mit sieben Monaten vor ein Auto

Puma-Baby P-52 lief bedauerlicherweise mit sieben Monaten vor ein Auto

 Andere Großkatzen von L.A.: Sharon Stone schnurrt, dass sie gern junge Männer um sich hat, während der Cougar P-22, von der einheimischen Presse andächtig "Hollywood Lion" genannt, eher auf Karnickel steht. Der Vierbeiner erlangte landesweite Berühmtheit durch seinen "mug shot" im Griffith Park, der in "National Geographic" veröffentlicht wurde, sowie durch seinen Raubzug im Zoo, dem ein Koalabär zum Opfer fiel

Andere Großkatzen von L.A.: Sharon Stone schnurrt, dass sie gern junge Männer um sich hat, während der Cougar P-22, von der einheimischen Presse andächtig "Hollywood Lion" genannt, eher auf Karnickel steht. Der Vierbeiner erlangte landesweite Berühmtheit durch seinen "mug shot" im Griffith Park, der in "National Geographic" veröffentlicht wurde, sowie durch seinen Raubzug im Zoo, dem ein Koalabär zum Opfer fiel


 

Mutti wurde in der Tat vergangenes Jahr platt gemacht. Ich schwöre, in den Santa-Monica-Bergen, wo wir morgens immer spazieren gehen, bin ich mal einem aus der Sippe begegnet.

 

Da, wo wir das Klapperschlangen-Training für die Hunde machen?

 

CHECK, PLEASE!

Unsere Bars – diesmal: Chateau Marmont

8221 Sunset Boulevard, West Hollywood, www.chateaumarmont.com

Aufgetischt Cocktailklassiker und ihre Variationen ab 20 Dollar. Kenner verlangen das geheime Hotelbar-Menu mit Mix-Drinks nach Saison. Zu Essen gibt's Frittiertes und Figurfreundliches für dicke Brieftaschen

Aufgelaufen Die Blonde am Nebentisch sieht nicht aus wie Madonna, sie ist Madonna. Lindsay Lohan hat Hausverbot

Aufgedreht Kichernde Starlets machen ihren eigenen Sound. Abends legen wechselnde DJs auf

Aufgeschnappt “Seit ich keine Drogen mehr nehme, praktiziere ich Ehrlichkeit. Ich liebe den Adrenalinschub."

Genau da. Es war in der Abenddämmerung, aus den Büschen kam plötzlich dieses rasselnde Atmen. Am nächsten Tag erzählten mir Bekannte, sie hätten eine verdammt große gelbe Katze in den Hängen gesehen. Genau dort übrigens will jetzt dieser Berggruen bauen.

 

Der fantastisch reiche Karstadt-Retter mit Wohnsitz Gulfstream?  

 

Retter in Anführung, genau der. Aber nix „homeless billionaire, er ist jetzt hier sesshaft, seit er sich mit einer Eierlieferantin und Surrogat-Müttern zwei Kinder gemacht hat.

 

Seine Oscar-Partys hier im Chateau waren legendär.

 

Etwas pedestrian, wenn du mich fragst. Zu den ersten kam Kim Kardashian noch als Stylistin im Schlepptau von Paris Hilton.  

 

Ich weiß nur, dass regelmäßig Leonardo und sein Wolf-Pack einfielen. Was baut er denn?

 

Ein Tagungszentrum für seinen Think Tank nebst Hotel, mitten in meinem Hundeparadies! Soll wohl so eine Art Davos der Santa Monica Mountains werden. Saublöde Idee. Seine Gelahrten sollten vor allem darüber nachdenken, wieso wohl die Pumas, in deren Revier sie tagen, in die Straße laufen.  

 

Ich weiß nicht, was mich mehr betrübt. Die Kardashianisierung unserer Stadt oder Milliardäre, die sich einfach einen Berg kaufen, wenn sie nachdenken müssen.

 

Also, wenn ich könnte, würde ich mir die Villa von Thomas Mann in den Pacific Palisades kaufen und mit Blick aufs Meer den ganzen Tag lange Sätze schreiben.

 

Also, wenn ich könnte, würde ich mir Point Dume kaufen, und den Schlüssel zum Strand kriegt nur mein Surf-Buddy Laird Hamilton. Das ist die Welle, wegen der ich in Los Angeles hängen geblieben bin. Und du?

 

Ich hab erst in diesem Smog-verhangenen Moloch gemerkt, was für ein Landkind ich doch bin. Ich liebe die Schizophrenie von LA: Nach dem Aufstehen kannst du im Canyon Kojoten begegnen, vor dem Schlafengehen George Clooney beim Japaner.

 

(verträumt) Wenn’s nur einen kalifornischen Pass gäbe, wäre ich schon längst eingebürgert.

 

Du klingst wie von der Caleavefornia-Fraktion.

 

"Californication", die Sex-Serie mit David Duchovny?

 

Nein, jö, die Jungs hier machen dich wohl ganz schlüpfrig. Leave wie verlassen. Calexit, die Sezession vom Mutterland.

 

Ach, das hat sich doch dieser New Yorker mit Wohnsitz Sibirien ausgedacht, Louis J. Marinelli. Trump-Unterstützer. Typisch.

 

Aus der Distanz betrachtet wirkt Kalifornien eben wie aus der amerikanischen Art geschlagen. Ein Schlaraffenland, in dem Brüste, Mandel- und Avocadobäume wachsen.

 

(summt) Weiße Haie. Erdbeben. Dürre. Verkehr, oh der Verkehr!

 

Ach du, wir könnten inzwischen theoretisch mit dem öffentlichenVerkehrsmittel von Hollywood ans Meer.

 

Nachdem wir eine halbe Stunde bis zur nächstgelegenen Station im Stau gestanden haben, meinst du? Ich bin noch nicht so weit.

 

Mal sehen, ob Jaden Smith Wort hält.

 

Der prophetische Sohn von Will?  Ich überlege, mir einen seiner Dadaismen auf ein Kissen zu sticken: “Ich denke, ich bin nicht so revolutionär wie Galileo, aber ich denke auch nicht, dass ich nicht so revolutionär wie Galileo bin." Predigt der jetzt in den Öffis, oder wie kommst du auf ihn?

 

Er erlitt vergangene Woche einen Zusammenbruch auf einem Parkplatz, nachdem er durch die Führerscheinprüfung gerasselt war. Danach verkündete er in einem emotionalen Youtube-Video, die Stadt zu verlassen.

 

Ach, als ob. Was ist denn aus den ganzen Hollywood-Demokraten geworden, die schworen, ihr Bündel zu packen, sollte Trump gewinnen?

 

In Hollywood auf der Chaussee taten ihnen die Beine weh.

 

Und worauf trinken wir jetzt?

 

Auf Kaliforniens Tierwelt!

 City of Cars: immer zwischen Wildwechsel und Rush-Hour

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* Mittlerweile surrt das Bähnchen wieder: Die Angels Flight Railway befördert für einen Dollar Passagiere zwischen Hill Street und Grand Avenue, also vom Broad Museum zum Grand Central Market.