New Kids On The Block

 In der Disco gilt: Wer schnackseln will, muss vorher pudern (Foto:  Yonhap via UPI.com)

In der Disco gilt: Wer schnackseln will, muss vorher pudern (Foto: Yonhap via UPI.com)

Das Café “Haus” hat eine Kuchenauswahl, die jede Wiener Patisserie beschämen würde, das Ambiente ist eher Gangnam-Style: unverputzte Wände im Industrial Chic, bunte Neonlichter. Wir sind in K-Town, wie der Los-Angeles-Kenner Koreatown nennt ­– berühmt für das beste Barbecue westlich von Seoul, die billigsten Massagen und seine wahnwitzig aufgeputzten floats, Koreas Antwort auf den Rosenmontagszug.

 

Wieso treffen wir uns hier?

 

 Weil hier die hübschesten Männer der Stadt kellnern.

 

Ich wusste nicht, dass du eine Schwäche für Asiaten hast. 

 

Ob blond, ob braun, Hauptsache, sie malen sich die Augenbrau'n.

 

Bist du schon betrunken?

 

Nein, ich habe mir nur von einer Kollegin erzählen lassen, wie koreanische Produzenten ein paar New Yorker Jungs für eine Boyband rekrutiert haben. Im K-Pop müssen die Künstler – hörst du meine Anführungszeichen? – nämlich in erster Linie niedlich sein. Das lernen sie in Workshops.

 

Schau mal, unser Kellner hat auch getuschte Wimpern.

 

(Kellner): Was darf's sein? 

 

Zwei Tsingtao. Ist das Lidstrich?

 

(Kellner): Tattoo. 

 

Hübsch!

 

(Kellner knickst und tritt ab)

 

Ich kann keine Transgender mehr sehen.

 

Bitte was? Du verwechselt da was. 

 

Nein, nein, unser Boy hier bringt mich nur drauf. Seit gestern hat mein Surfshop dieses Schild draußen hängen:

 

 Neoprenanzüge gibt's hier auch mit C-Körbchen und Beutel im Schritt

Neoprenanzüge gibt's hier auch mit C-Körbchen und Beutel im Schritt

 

Nichts gegen Transgender, mir sind alle Geschlechter gleich. Aber das ist ja wie Glutenintoleranz. Gestern wusste man noch nicht, was das ist, und heute hat's jeder.

 

Na und? Sollen sie uns um die Ohren gehauen werden, bis sie nicht mehr der Rede wert sind.

 

Overexposure hat noch nie funktioniert.

 

Bei den Kardashians schon. Und Caitlyn hat doch fast noch News-Wert.

 

Waaas? Egal, an welchem Tag du durch die Kanäle zappst, Transgender ist schon da. Sonntags Caitlyn, montags ein kleines Mädchen mit der gleichen Geschichte, donnerstags eine Reality-Familie, in der aus Papa Mama wird, freitags ein Transsexueller im Big-Brother-Container, ein Transgender bei Netflix, einer bei Amazon – und was kommt raus, als ich ins Staffel-Finale von “Pretty Little Liars” zappe?! CeCe Drake war früher ein Mann!

 

Du siehst einfach zu viel fern.

 

Im Kino geht’s doch gleich weiter, da spielt dieser Junge, der eben noch Stephen Hawking war, eine dänische Transe, und die kleine Elle Fanning mit den Lemurenaugen steckt auch im falschen Körper… Früher bist du dick geworden für den Oscar, heute musst du das Geschlecht wechseln.

 

Na gut, sie sehen halt hübsch aus. Morgen sind Einhörner in.

 

Genau mein Punkt. Transgender sind der breiten Masse so nah wie Einhörner. Aber auch wenn du sie tausendmal im Fernsehen gesehen hast, wirst du dich nicht gelassener verhalten, wenn dein Vater sich als Frau outet.

 

Aber vielleicht weniger überascht. Das wäre doch schon ein Fortschritt.

 

Wieviele Transsexuelle kennst du persönlich?

 

Hm. Keinen, ehrlich gesagt.

 

Und weißt du warum? Weil sie nur 0,01 Prozent der amerikanischen Bevölkerung ausmachen. Latinos hingegen 51 Prozent. Nun rate, wer nicht in jeder angesagten TV-Serie verpflichtet wird?

 

Ich weiß, worauf du hinauswillst. Man zeigt lieber Transsexuelle als Mexikaner, weil letztere in Trump-Wählern niedere Instinkte wecken. Für Transgender gilt in den Medien noch Welpenschutz.

 

Über meinem Büro in Santa Monica wohnte mal eine Transsexuelle. Sie nannte sich Miss Piggy, und sie lebte davon, in ihrem Studio Männer mit Federn und weichen Plüschpeitschen zu kitzeln.

 

Wie säuisch. Daher Miss Piggy?

 

Nein, weil sie dick und hellblond war mit sehr rosigem Teint. Wir unterhielten uns gern über Enthaarungsmethoden. Sie schwor auf Elektrolyse.

 

Und worauf willst du hinaus?

 

Sie war alles andere als glamourös, viel zu ungeschlacht, um es jemals wie Caitlyn auf ein Cover zu schaffen. Niemand hat sie hofiert oder wollte sich mit ihr schmücken. Sie hatte auch keine Lust, Männer zu kitzeln, aber sie konnte in ihrem Übergangszustand schlicht keinen Job finden. Eigentlich war sie Krankenschwester.

 

Du weißt, dass mein Schönheitschirurg, den ich immer beim Gassigehen treffe und den ich dir schon mal ans Herz gelegt habe…

 

Nächstes Jahr, okay?

 

… dass der auf die Feminisierung des männlichen Gesichts – und umgekehrt – spezialisiert ist. Frauen haben in der Regel niedrigere und rundere Stirnen als Männer, kleinere Nasen, ein spitzeres Kinn. Mein Bekannter kennt den Chirurgen von Caitlyn gut. Du weißt, wie Handwerker über einander reden. Man will ja nichts Böses sagen, aaaaaaber… Er findet, dass Caitlyn ein bisschen hastig zurecht gemacht wurde, vor allem die Nase sei misslungen. Er erwartet sie in Bälde in seiner Praxis, zum Nachbessern.

 

Tja, Caitlyns, willkommen in unserer Welt! Ich kann mich nicht erinnern, dass auch nur ein einziges Mal über Bruce Jenners Nase gemeckert wurde.

 

Stimmt. Oder wie er sich anzog. Oder dass er zu alt war für seine Frisur.

 

(Kellner):  Noch zwei Bier?

 

Sagen Sie, haben Sie von dieser amerikanischen Boyband gehört, die koreanische Mädchenherzen erobern soll?

 

(Kellner): Ich kenne mich mit Boybands nicht aus. Es gibt so viele. 

 

Aber warum müssen sie welche nach Seoul importieren? Wenn die Kellner schon so hübsch sind!

 

(Kellner errötet): Oh, aber nicht doch.

 

Typisch Mann, trotz Lidstrich! Als ich meinem Nachbarn neulich gesagt habe, dass er ein süßes T-Shirt anhat, ließ er mich wortlos stehen. Ich glaube, er versuchte, im Vorbeigehen noch männlich zu furzen.

 

Wie nennt sich denn diese Boyband eigentlich?

 

 Amerikanischer Angriff auf Seoul: Junge Koreanerinnen lieben diese Boyband

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EXP, Abkürzung von Experiment.

 

Nie gehört. Der einzige Koreaner, den ich kenne, heißt Kim Jong-Un. Und den finde ich nicht so niedlich. Worauf trinken wir jetzt?

 

Auf das schönere Geschlecht!