Internal Affair

 Ewiger Star (Foto: Hotel Bel Air)

Ewiger Star (Foto: Hotel Bel Air)

Ins Hotel Bel-Air, sagen seine berühmten Gäste, geht man, wenn man nicht gesehen werden will: Das palmbestückte Anwesen gilt als das verschwiegenste Luxushotel von LA – keine Promi-Skandale, keine Drogentoten, keine Polizeieinsätze... In die Bar gelangt man über ein Brückchen, unter dem Schwäne gleiten.

 

 22 Dollar für den Negroni? Ich nehme an, die Geschäfte laufen gut?

 

Ach was, ich bin nur neugierig.

 

Worauf genau?

 

 15-Minuten-Star: Nanny beim Bade

15-Minuten-Star: Nanny beim Bade

Die Nanny! Hast du nicht gesehen? Die Nanny von Ben Affleck, die gestern hier am Hotelpool gepappt wurde…

 

Gepapp...– – sprichst du wieder Denglish?

 

Gepappt, wie von Paparazzi abgeschossen. Sie grinst auf den Fotos wie eine zufriedene Katze.

 

Meinst du, sie guckt so satt, weil sie Jennifer Garner den Mann ausgespannt hat?

 

Nein, weil sie endlich selbst berühmt ist.

 

Was heißt hier berühmt? 

 

Naja, sie hat es auf die Cover sämtlicher Klatschmagazine geschafft – als Scheidungsgrund für eines der netteren Hollywood-Paare.

 

Nett. Kann auch ein Schimpfwort sein.

 

Ich meine ja nur. Wie viele Oscar-Preisträger sieht man denn jeden Samstag auf dem Wochenmarkt beim Biogurken-Kaufen? Und Jennifer war mal so gut, mir die Telefonnummer ihrer Kosmetikerin zu geben. Leider wollte die 400 Dollar für eine Behandlung

 

Kriegt man dafür nicht schon eine neue Nase?

 

Also pass auf: Die Nanny, eine angeblich 27-Jährige...

 

Wieso angeblich?

 

Weil sie – ich zitiere aus einem gemeinen Online-Kommentar – „den Mund einer mittelalten Florida-Hausfrau hat”.

 

Sehr schwesterlich formuliert.

 

Anonym halt. Das Faszinierende ist doch: Wie kann ein Kindermädchen sich das Bel-Air-Hotel leisten, und was sagt uns das über Hollywood?

 

Ich lerne: Nannys verdienen so gut, dass Übernachtungspreise ab 1000 Dollar für sie kein Problem sind.

 

(lacht bitter) Quatsch. Jemand übernimmt die Rechnung. Der Ben. Oder sein Manager. Oder der Scheidungsanwalt von Jennifer Garner.     

 

Das ist ja gruselig. Besonders, wenn man bedenkt, dass das Hotel dem Sultan von Brunei gehört. In Brunesien hätten sie die Liebeshütte schon abgefackelt und die Nanny gesteinigt.  

 

Grausam. Oder den Ben. – Die Nanny spricht übrigens von Liebe.

 Immer Ärger mit dem Personal

Immer Ärger mit dem Personal

 

Sollen wir also auf die große Liebe trinken? Das arme dumme Ding wird wahrscheinlich nie mehr einen Job bekommen.

 

Als Nanny bestimmt nicht. Aber das ist vielleicht ihre Absicht. Lektion eins aus „How To Become a Celebrity Assistant".

 

Ist das eine Humor-Sammlung?

 

Nein, ich hab’ mich mal undercover für eine Reportage zur Promi-Assistentin schulen lassen. Unsere Lehrerin empfahl sich als ehemalige Vorsitzende der selbsterfundenen „Association of Celebrity Assistants" und war Herausgeberin eines Buches namens „Dealing With Divas" – wie man mit Schreckschrauben umgeht. Meine Mitschüler waren darbende Schauspieler, aspirierende Drehbuchautoren und ein Stuntman im Ruhestand. Die Lehrerin zerstörte innerhalb der ersten Unterrichtsstunde sämtliche Träume, es über die Hintertür nach Hollywood zu schaffen. Der Job ist wie moderne Sklaverei. Du musst 24 Stunden abrufbereit sein. Du darfst aus Diskretionsgründen keine Freunde mit nach Hause bringen, am besten überhaupt keine Freunde haben. Und du bleibst Personal, selbst wenn du eine Affäre mit deinem Boss eingehst.

 

Aber Bruce Springsteen hat seine Nanny geheiratet! Und Robin Williams auch. Und die ehemalige Assistentin von Sarah Jessica Parker ist jetzt ihre Produktionsassistentin. Und der Frisör von Jennifer Lopez...

 

 Was ist denn in dich gefahren?

 

Ich bin halt romantisch.

 

Hallo, Bedienung bitte, noch zwei Negroni. Wie heißen Sie?

 

(Kellner): Jason.

 

Jason, sind Sie Kellner? Oder Schauspieler, der kellnert?

 

(Kellner): Woher wissen Sie…? Ich nehme Unterricht. 

 

Strasberg?

 

Genau. (macht filmreifen Abgang)

 

Ich war auch mal am Strasberg-Institut. Ich hab nämlich mal für eine Reportage…

 

Du nervst.

 

Was ich eigentlich sagen wollte: Es ist völlig egal, ob einer von hundert A-Listern seine Nanny oder Frisöse heiratet. Die meisten möchten das Personal an seinem Platz wissen. Unsere Lehrerin erzählte von einem Action-Star und seiner Schauspielergattin, ich nenne hier keine Namen. Die Assistentin lebte mit dem berühmten Pärchen und seinen drei Töchtern in Idaho. Mitten in der Pampa, wo es Super-Promis halt so hinzieht. Als die Familie ihre Perle zur Weihnachtsfeier einlud, glaubte das Mägdelein, endlich dazuzugehören. Sie kaufte sich ein festliches Kleid und ließ ihre eigenen Eltern allein unterm Christbaum sitzen, um mit der Action-Familie zu weihnachten. Doch dann stellte sich heraus, dass sie bei den Festivitäten nur dabei sein sollte, um die Mäntel der Gäste entgegenzunehmen. Sie bekam nicht mal was zu essen.

 

(Zwei Bikinimädchen flanieren auf dem Weg zum Pool vorbei. Sie tragen Selfiesticks vor sich her)

 

Könnte das die Afflecksche sein?

 

Ist die nicht brünett? Hab’ schon vergessen, wie sie aussieht. Ihre 15 Minuten sind rum.

 

(Trinken und blicken den Bikinipopos hinterher)

 

Weißt du, wer hier früher gewohnt hat?

 

Marilyn Monroe.

 

Du gönnst einem auch gar nichts. Ich habe vor vielen Jahren mal Bert Stern interviewt. Der Fotograf, mit dem Marilyn ihre letzte Session hier hatte. Das war ein Star, die MM. Ein richtiger Star. 

 

Es ist alles so traurig. Und worauf trinken wir jetzt?

 

Auf die Unsterblichkeit!