City-Glam-Squad (1): Richard Landry

Die „New York Times“ nennt ihn den „König der Mega-Villen“, seine wohlhabende Kundschaft verehrt ihn als den „Erfüller von Träumen“, und die Stadt Los Angeles sähe ohne seine Werke schlicht ein wenig ärmer aus: Der in Kanada geborene Architekt Richard Landry sagt, er könne seine Karriere manchmal selbst nicht glauben.

Im heimischen Quebec wäre er damals fast Lehrer geworden, erzählte er einem Reporter der "New York Times", den er im Elektro-Sportwägelchen an seinen eindrucksvollen Kreationen in Bel Air, Beverly Hills und Malibu vorbeifuhr. Seine Bauten sortiert er gern nach Größe: klein, mittel, groß und extragroß, wie in amerikanischen Bekleidungsgeschäften die T-Shirts. Und ganz wie der amerikanische Konsument neigt er zu – jawohl, Extra-Large. 

Das schöne Wetter lockte ihn, als er nach seinem Studium im kühlen kanadischen Osten gerade bei einer kleinen Designfirma angeheuert hatte, Mitte der 80er Jahre nach Los Angeles. Die Olympischen Spiele beherrschten die Stadt, und sportlicher Ehrgeiz erfüllte auch den jungen Herrn Landry: Er bewarb sich bei Frank Gehry, allein, der Meister zeigte kein Interesse. Daher trat Richard seine erste Stelle in einem Büro an, das auf die Entwicklung von Vergnügungsparks spezialisiert war. Er fand's toll: Das Märchenhafte, Spektakuläre und Überwältigende, das in Anlagen wie "Magic Mountain" sozusagen Geschäftsgrundlage ist, war genau seine Kragenweite.

 Mit aller Pracht: Keiner baut schönere Vergnügungsviertel als Richard Landry (Foto: Erhard Pfeiffer)

Mit aller Pracht: Keiner baut schönere Vergnügungsviertel als Richard Landry (Foto: Erhard Pfeiffer)

Die Schwäche fürs Übergroße bescherte ihm seinen nächsten Job in einem Architektenstall, der eine damals brandneue "gated community" namens Beverly Park mit Villen bestückte. Nun inszenierte Landry nicht mehr Spielwiesen für die Massen, sondern für die Mega-Reichen: Auf einem ehemaligen Golfplatz zwischen Mulholland Drive im Norden und Sunset Boulevard im Süden – plus jeder Menge unbebauten struppigen Geländes drumrum – spreizen sich heute rund achtzig Villen, deren einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie über mindestens 2000 Quardratmeter Wohnfläche verfügen müssen (so will es die Hausordnung) und dass das gemeine Volk sich ihnen nur in Gestalt von Putzfrauen und Nannys nähern darf. Beverly Park ist die nobelste Wohngegend der Stadt geworden – nicht zuletzt, weil Landry ein paar einzigartige Paläste dorthin gesetzt hat. 

 100.000 Dollar Miete im Monat zahlte Michael Jackson für sein letztes Heim in Holmby Hills:. Er starb im Juli 2012 in diesem Landry-Anwesen am Carolwood Drive in Bel Air, das von der Lokalpresse mit leichtem Grusel als "Todesvilla" bezeichnet wurde, aber natüriich trotzdem einen wohlsituierten Käufer fand

100.000 Dollar Miete im Monat zahlte Michael Jackson für sein letztes Heim in Holmby Hills:. Er starb im Juli 2012 in diesem Landry-Anwesen am Carolwood Drive in Bel Air, das von der Lokalpresse mit leichtem Grusel als "Todesvilla" bezeichnet wurde, aber natüriich trotzdem einen wohlsituierten Käufer fand

Sylvester Stallone ist einer seiner Klienten in der Nobel-Enklave, für den Gründer eines "Herrenmagazins" platzierte er einen famosen, überraschend geschlechtslosen Glaskasten aufs manikürte Grün mit fünf Meter hohen Decken und einer Luftbrücke zum Gästewohnflügel. Landry, so mosern Architekturkritiker, habe nicht wirklich einen Stil, er versammle nur von allem das Größte, Teuerste, Prächtigste und Güldenste und setze einen Springbrunnen davor, fertig. Seine Villen verfügen über Spas, Indoor-Pools, Dutzende Badezimmer und Foyers, die über zwei, drei Stockwerke gehen und sich in Parkanlagen öffnen, in denen die Hausherrschaften bei Bedarf G-20-Gipfel veranstalten können – oder doch wenigstens Charity-Bälle für 2000 Gäste. Auch sind Landrys Traumschlösschen meist mit Bowling-Bahnen und Heimkinos ausgestattet; da brauchen seine Klienten gar nicht erst den Tesla aus der Garage zu fahren und sich – schüttel! – unters Volk zu mischen für ein bisschen Entertainment. Früh hat Landry, Sohn eines Zimmermanns, gelernt, was das Allerwichtigste ist, wenn man sich in höheren Kreisen bewegt: Eine anständige Villa muss zwei Küchen haben – eine, in der für die Hausherren gekocht wird, und eine fürs Personal.

Landrys erster Job war ein Heim für den Soft-Jazzer Kenny G. in Seattle, es folgten südkalifornische Chateaus und Glas-Bunker, für deren Baupläne Architekturkenner den schönen Begriff "Grundriss-Porno" verwenden, weil man von ihrem Anblick vor Aufregung einen trockenen Gaumen bekommt (noch ein Badezimmer! Ah, der Westflügel! Schau, der Master-Bedroom hat Kamin und versenkbare Glasfronten! Und hier noch ein Bad!). Landy selbst unterscheidet am Reißbrett zwischen "formellen" Bauten und solchen, die mehr "casual" sein sollen, so als schneidere er seinen Kunden wahlweise Smokings oder Flanellhemden auf den Leib.

Sein raumgreifendstes Anwesen steht in Saudi-Arabien, es hat mehrere zehntausend Quadratmeter Wohn- und Audienzfläche. Manche der mehr als 500 Privathäuser, die er bislang entworfen hat, erinnern an die Provence, andere an Polynesien, die meisten nennt er "kalifornisch-zeitgenössisch". Wenn der 60-Jährige über seine Arbeiten spricht, legt er großen Wert auf diese Anbindung ans Hier & Jetzt: den Lebensstil der Reichen und Berühmten eben, denen ein Heim ohne Konferenzraum, Hubschrauberlandeplatz und Ballsaal irgendwie anachronistisch vorkäme.

Berühmt ist sein 32 Badezimmer zählendes Domizil für Gisele Bündchen und ihren NFL-Gatten Tom Brady, das er auf Wunsch des umweltbewussten Paares mit Solarpanelen und Komposthaufen bestückte und von einem Burggraben umkränzte. Hinter den Schlagbalken von Beverly Park entstand 2014 seine fast 3000 Quadratmeter große Residenz für Mark Wahlberg, der den Architekten persönlich um seine Dienste ersucht hatte; er sei ein großer Fan. Der eher pressescheue Landry schuf für die sechsköpfige Familie neben den üblichen Jacuzzis und Sportplätzen auch einen privaten Wasserfall.

 Im Stadtteil Brentwood errichteten das brasilianische Model und ihr New England Patriot das Familiennest für ihre beiden Kinder – und etwa hundertfünfzig Sleepover-Gäste. "Ich mag's einfach und gemütlich", kommentiert Gisele das bescheidene Heim. Klar, wer denn auch nicht!

Im Stadtteil Brentwood errichteten das brasilianische Model und ihr New England Patriot das Familiennest für ihre beiden Kinder – und etwa hundertfünfzig Sleepover-Gäste. "Ich mag's einfach und gemütlich", kommentiert Gisele das bescheidene Heim. Klar, wer denn auch nicht!

 Kleiner Blick ins "Eco-Manse": Der Fitnessraum fasst locker Tom Bradys NFL-Mannschaft

Kleiner Blick ins "Eco-Manse": Der Fitnessraum fasst locker Tom Bradys NFL-Mannschaft

„Wenn der Plebs wüsste, was da abgeht“, spottete die Design-Webseite „Curbed LA“ über die Herrlichkeiten des Richard Landry, „gäbe es einen Volksaufstand.“

Landry selbst meint begütigend, er wolle doch nur, dass seine Kunden "fun" haben. Seit er sich von seinem Partner, mit dem er eine Teenage-Tochter großzieht, getrennt hat, wohnt er selbst auf bescheidenen 400 Quadratmetern in Malibu in einem dreistöckigen ehemaligen Strandhaus von Hugh Hefner, dem "Playboy"-Gründer. Er schätze das "wohltuende" Klima im Haus, sagt er über sein relatives Downsizing, das Meer sei "der Star".

Wie erfrischend: ein Star von solcher Größe, mit so wenig Ansprüchen. 


Homestories: Glanz und Gloria in LA

Villa-del-Lago-front-exterior.jpg
 "Wir lieben Italien, eines unserer liebsten Länder": So schilderte das Unternehmerehepaar Byers dem Architekten seine Vision vom neuen Heim, worauf Landry ihnen ein mehr als 2000 Quadratmeter großes Toskana-Gut nach Thousand Oaks setzte, einen Vorort von LA. Die Baugrube schüttete er einfach mit halb Italien auf, fürs Dach importierte er zum Beispiel 21.000 antike Tonziegel, dazu tonnenweise Marmor und Terracotta. Das Gebäude verfügt über eine Wein- und Tequila-Bar, und in der 700 Quadratmeter großen Tiefgarage schlummern die Lieblinge des Hausherrn – namens Maserati, Tesla, Humvee, Ferrari, Porsche und Bentley. "Man Cave" nannte Landry den Park-Palast verständnisvoll 

"Wir lieben Italien, eines unserer liebsten Länder": So schilderte das Unternehmerehepaar Byers dem Architekten seine Vision vom neuen Heim, worauf Landry ihnen ein mehr als 2000 Quadratmeter großes Toskana-Gut nach Thousand Oaks setzte, einen Vorort von LA. Die Baugrube schüttete er einfach mit halb Italien auf, fürs Dach importierte er zum Beispiel 21.000 antike Tonziegel, dazu tonnenweise Marmor und Terracotta. Das Gebäude verfügt über eine Wein- und Tequila-Bar, und in der 700 Quadratmeter großen Tiefgarage schlummern die Lieblinge des Hausherrn – namens Maserati, Tesla, Humvee, Ferrari, Porsche und Bentley. "Man Cave" nannte Landry den Park-Palast verständnisvoll 

 "Richard, ich verfolge Ihre Arbeit seit Jahren, ich freue mich so, dass Sie jetzt für mich bauen können", schrieb Mark Wahlberg an den kanadischen "Erfüller von Träumen". Der baute dem Schauspieler ein "French Manor", ein französisches Herrenhaus, nach Beverly Park: Dort lebt die Familie nun abgeschieden hinter hohen Hecken neben ähnlich einsiedlerischen Nachbarn wie Samuel L.Jackson, Denzel Washington und so manchem Saudi-Prinzen

"Richard, ich verfolge Ihre Arbeit seit Jahren, ich freue mich so, dass Sie jetzt für mich bauen können", schrieb Mark Wahlberg an den kanadischen "Erfüller von Träumen". Der baute dem Schauspieler ein "French Manor", ein französisches Herrenhaus, nach Beverly Park: Dort lebt die Familie nun abgeschieden hinter hohen Hecken neben ähnlich einsiedlerischen Nachbarn wie Samuel L.Jackson, Denzel Washington und so manchem Saudi-Prinzen

 Die "Skycliff"-Einfamilienwohnanlage in Santa Monica hat sieben Schlafzimmer, 12 Bäder, eine Garage für 20 Autos und ein Indoor-Basketballspielfeld. Preis: 35 Millionen – ein typischer Landry halt

Die "Skycliff"-Einfamilienwohnanlage in Santa Monica hat sieben Schlafzimmer, 12 Bäder, eine Garage für 20 Autos und ein Indoor-Basketballspielfeld. Preis: 35 Millionen – ein typischer Landry halt

 Für den Fernsehproduzenten Jeff Franklin baute Landry eine moderne Domäne über dem Sunset Strip mit Glaskuppel und Blick bis nach Santa Monica. Kaum war das Prachtstück – mit Heimkino und "ein paar Bars" – fertig, änderte Franklin seine Meinung. Eigentlich, fiel ihm ein, habe er doch schon ein Haus im nahen Benedict Canyon, das Landry für ihn zum "andalusischen Paradies" gestylt hat. Und außerdem sei der coole Zweit-Palast, den er schließlich für 20 Millionen Dollar verkaufte, gar nix für ihn: "Hier sollte jemand wie Leonardo DiCaprio wohnen". Franklins wärmste Empfehlung für den zukünftigen Besitzer: "Wer in diesem Schlafzimmer keine rumkriegt, mit dem kann was nicht stimmen" 

Für den Fernsehproduzenten Jeff Franklin baute Landry eine moderne Domäne über dem Sunset Strip mit Glaskuppel und Blick bis nach Santa Monica. Kaum war das Prachtstück – mit Heimkino und "ein paar Bars" – fertig, änderte Franklin seine Meinung. Eigentlich, fiel ihm ein, habe er doch schon ein Haus im nahen Benedict Canyon, das Landry für ihn zum "andalusischen Paradies" gestylt hat. Und außerdem sei der coole Zweit-Palast, den er schließlich für 20 Millionen Dollar verkaufte, gar nix für ihn: "Hier sollte jemand wie Leonardo DiCaprio wohnen". Franklins wärmste Empfehlung für den zukünftigen Besitzer: "Wer in diesem Schlafzimmer keine rumkriegt, mit dem kann was nicht stimmen" 

 Paradies 1: Franklins spanische Villa

Paradies 1: Franklins spanische Villa

 Paradies 2: ein Schlafzimmer für Schlawiner

Paradies 2: ein Schlafzimmer für Schlawiner